Projekte

Mozart2018

Mozart oder besser Wolfgang Amadeus Mo als Star von heute, mit Instagram-Profil und YouTube-Kanal. Passt das? Der Status als Star war dem historischen Mozart keinesfalls fremd. Zu seiner Zeit pfiff man seine Musik auf den Straßen und spielte sie in Häusern und Wohnungen. Sie dominierte den damaligen Musikmarkt und sein Marktwert sprengte alle Rekorde. Wir können das heute nur noch aus historischen Quellen nachvollziehen, aber wirklich vorstellbar ist das nicht.

Die heutige Medienlandschaft, der Medienkonsum und die Medienplattformen fördern sehr stark einen sich zwar ständigverändernden, aber doch recht gleichförmigen Mainstream, der massentauglich und auch nicht zu teuer in der Produktionsein darf. Das macht es der klassischen Musik, die ihre volle Wirkungskraft im aufwändigen und teuren Livekonzert entfacht, nicht gerade leicht. Sie fristet tatsächlich ein gewisses Nischen-Dasein.

Mit seinem Projekt Mozart2018 brachen der Juventis Vor- und Jugendchor am KAV-Gymnasium dieses Schema auf. Ein Star unserer Zeit mit Namen Mo vertrat den historischen Mozart und präsentierte dessen Kunst auf den Plattformen, die heute die Welt bedeuten. Am Ende stand ein Konzert, in dem Mo zwei der größten Kompositionen seines historischen Vorbilds präsentierte: Das Requiem und die Jupiter-Sinfonie.

Im Zentrum der Ausführenden standen die Schülerinnen und Schüler der KAV-Chöre, und wir sind froh, dass sie Jung und Alt, die großen und kleinen Kinder unserer Zeit für die Kunst des Alt-Stars begeistern konnten.

 

Rückblick

Mozart2018 – ein Celler Star

Plakat A4 MOZART 2018 4cUnsere Kunstfigur des Mozart trat unter dem Namen  Mo in den sozialen Netzwerken auf. In der letzten Phase vor dem Konzert wurde man immer mehr auf seine Video-Posts angesprochen. Dass die Verbreitungswege der Netzwerke funktionieren, merkte man daran, dass Kommentare und Fragen auch immer mehr von Leuten außerhalb Celles kamen. Sie hatten von Mo über Verlinkungen über Facebook und Instagram erfahren und waren dann hängengeblieben. So war es geplant, und wir sind froh, dass die Sprache, die Regisseur Michael Lohmann und Schauspieler Alex Friedland gewählt haben, dann geeignet war, die „Follower“ bei der Stange zu halten und zu Reaktionen zu animieren. 

Interessant ist, dass die Rolle als heutiger Star trotz des Anachronismus, der die Figur von Anfang an umgab, von den Followern akzeptiert wurde. Gerade die chorfernen User, die zu Beginn ja noch nichts von dem Gesamtprojekt wussten und nur dieser Figur begegneten, kommentierten die Inhalte ganz unmittelbar, ohne sie in den Kontext eines Projektes zu stellen. Gleichzeitig hatten alle Themen etwas mit dem historischen Mozart gemein. Und so entstanden über die Netzwerke hinaus Gespräche darüber, wo denn nun die Schnittmengen zwischen Mozart und Mo lägen und wo die Fiktion begönne. So vertiefte die fiktive Figur die Auseinandersetzung der vor allem jugendlichen User mit dem historischen Mozart. Einzelne lasen in der Folge Mozart-Monographien, andere schauten sich in Gruppen den Film Amadeus an. Ohne dieses Projekt hätte diese intensive Auseinandersetzung nicht stattgefunden.

Die Figur des Mo hat verfangen und konnte so Unterschiedliches bei den verschiedenen Followern auslösen. Auch wenn das Netz weltweit erreichbar ist, so fand das Gesamtprojekt mit dem abschließenden Konzert in Celle statt. Daher war es für die Nachhaltigkeit des Gesamtprojektes stimmig, dass die größte Gruppe von Followern aus Celle und Umgebung kam

 

Das Konzert für alle

Zum Ende des Projektes fanden zwei Veranstaltungen in der Celler Stadtkirche statt: beim ersten Konzert war die Kirche voll, beim zweiten zu zwei Dritteln besetzt. Gleichzeitig zeigt die Verkaufsstatistik, dass deutlich mehr Karten von Jugendlichen gekauft wurden als bei vergleichbaren Konzerten. Die Jugendlichen wurden im Konzert dort abgeholt, wo sie nach ihrer Interaktion mit Mo im Internet stehen geblieben waren: Der Social-Media-Star empfing die Besucher persönlich und führte auch durch das Konzert.

Gleichzeitig bildete das Konzert durch die Inszenierung und die Moderation die Gesamtentwicklung des Projektes noch einmal ab, so dass auch die Konzertbesucher, die sich nicht in den sozialen Netzwerken bewegen, die Grundausrichtung nachvollziehen konnten: die Entwicklung des Stars, der immer von einer strahlenden und gleichzeitig oberflächlichen Hülle umgeben wird, zu einem Menschen, der durch die Auseinandersetzung mit dem Tod diese Hülle fallen lassen muss und plötzlich sein Innerstes preisgibt. Dafür haben wir das Konzert extra noch um ein weiteres Stück ergänzt: die Jupiter-Sinfonie von W. A. Mozart.

Mo empfängt das Publikum in der gewohnten Selbstsicherheit und mit der von den ersten Videos bekannten Strahlkraft eines Stars, den nichts erschüttern kann. Er dankt den Anwesenden, dass sie seiner Musik wegen gekommen seien und kündigt die Sinfonie als eine seiner größten und besten je geschriebenen an. Als Parallele zu der Fassade, hinter der sich der Mensch in dieser Situation noch befindet, musiziert das Orchester dann die Sinfonie hinter einem durchscheinenden Vorhang. Orchester und Dirigent waren nur schemenhaft zu erkennen, und auf dem Vorhang wurden Bilder des Stars Mo projiziert: Die Hülle hält, der Star strahlt!

Im Anschluss daran leitet Mo zu dem Requiem über und lässt nun durch Zitate des historischen Mozarts die Zuhörer erfahren, was die Auseinandersetzung mit dem Tod mit ihm gemacht hat. Der Glamour der Sinfonie und des ersten Konzertteils spielt keine Rolle mehr. Nun macht Mozart deutlich, was es für ihn heißt, sich auf das Wesentliche im Leben zu konzentrieren und den Tod ins Leben zu integrieren. Von dem alles überstrahlenden Star ist nicht mehr viel übrig, stattdessen erlebt man einen ernsthaften, nachdenklichen Menschen. Nach seinem Vortrag nimmt Mo seine Perücke ab und entfernt seine Maske. Der Vorhang öffnet sich und gibt den Blick auf Chor und Orchester frei, die augenblicklich mit dem Requiem beginnen. Die Hüllen fallen! Die Hülle Mos, die Hülle der Musik und damit spürbar die Hülle aller Anwesenden im Raum samt Publikum, so dass die existenzielle Botschaft der Auseinandersetzung mit dem Tode durch die Musik des Mozart-Requiems in jedem wirken kann.

 

 

 

Ausführende

  • Juliane Dennert (Sopran)
  • Yvonne Fuchs (Alt)
  • Benjamin Glaubitz (Tenor)
  • Florian Götz (Bass)
  • Orchester musica Assoluta
  • Michael Lohmann (Regisseur)
  • Juventis VorChor
  • Juventis Jugendchor
  • Stephan Doormann

 

Zur Pressemitteilung

 

Das Projekt Mozart2018 wurde gefördert von:

2018 Mozart Foerderer

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